Gottesdienst zur Konstituierung des neuen Landtags
„Zukunft und Hoffnung“ – Schülerinnen des AMG beim Gottesdienst zur Konstituierung des neuen Landtags
Im ökumenischen Gottesdienst zur konstituierenden Sitzung des neuen Landtags von Baden-Württemberg in St. Eberhard übernahmen Schülerinnen unseres Gymnasiums eine besondere und tragende Rolle. Mit persönlichen Statements zum Thema „Zukunft und Hoffnung“ gestalteten Romy, Emilia, Theresa, Paulina und Fiona aus der Jahrgangsstufe 1 die Feier in der Domkirche St. Eberhard in Stuttgart aktiv mit.
Vor den neu gewählten Landtagsabgeordneten des 18. Landtags von Baden-Württemberg sowie zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft, darunter der neue Ministerpräsident Cem Özdemir, brachten die Schülerinnen ihre Gedanken, Sorgen und Hoffnungen mit großer Offenheit und beeindruckender Klarheit zum Ausdruck. In ihren Statements sprachen sie unter anderem Themen wie fehlende Mitbestimmung, gesellschaftliche Ausgrenzung, Krieg, politische Unsicherheiten und den Klimawandel an. Gleichzeitig machten sie deutlich, dass sie ihre Hoffnung auf Zusammenhalt, Menschlichkeit, Glauben setzen und auf eine Politik, die Verantwortung für die Zukunft übernimmt.
Die Beiträge der Schülerinnen waren ein eindrucksvoller Bestandteil des Gottesdienstes und zeigten, wie reflektiert und engagiert junge Menschen gesellschaftliche Entwicklungen wahrnehmen und mitgestalten möchten. Zum Abschluss gab es noch Fotos mit unserem Bischof und eine Begegnung mit dem Ministerpräsidenten a.D. Winfried Kretschmann.
Wir danken den Schülerinnen herzlich für ihren Einsatz und ihren gelungenen Auftritt.
Die vollständigen Statements der Schülerinnen können hier unten nachgelesen werden.
Statements GD – Zukunft und Hoffnung
Romy
Wenn ich morgens in der Bahn zur Schule fahre, dann will ich meist einfach nur meine Ruhe. Für viele wäre in dieser Situation eine laute Grundschulklasse ein eher nerviger Mitfahrer. Trotz des eigentlich interessanten Inhalts der Gespräche hören viele leider nur die Lautstärke. Ich aber wünsche mir, dass viel mehr das gehört wird, was die Schüler sagen. Denn sie haben etwas zu sagen, egal wie jung sie sind. Sie sind aktiv, interessiert, kreativ und vor allem offen. Offen für andere Personen, offen für das Lernen voneinander und offen dafür, miteinander zu reden. Letzteres ist mir sehr wichtig, da mir als Erstwähler dieses Jahr besonders aufgefallen ist, dass es in der Politik nicht immer harmonisch zugeht. Mir ist klar, dass die Politik dies auch nicht immer leisten kann und darf. Aber es sollte doch darum gehen, miteinander zu reden und nicht nur übereinander. Gerade das wünsche ich mir von der zukünftigen Landesregierung. Damit alle Menschen beachtet werden, unabhängig von Religion, Sexualität, Herkunft und natürlich auch unabhängig von der Generation. Damit sich niemand ausgeschlossen oder benachteiligt fühlen muss. Damit Vertrauen wachsen kann und wir nach vorne gehen und nicht zurück. Damit Extremismus keine Chance hat. Ich hoffe, dass dies mit diesem neuen Parlament umgesetzt werden kann. Denn so ist hoffentlich nicht der Egoismus - “Ich will meine Ruhe” - die Lösung, sondern der Dialog.
Emilia
Wenn ich die Nachrichten verfolge, höre ich immer wieder von Stellenabbau, Kurzarbeit und gekürzten Gehältern. Aber auch im Alltag begegnen mir diese Themen: Wenn Gespräche in meinem Umfeld darauf kommen und ich merke, dass es nicht nur "irgendwo auf der Welt" passiert. Gerade dann spüre ich Unsicherheit und Zweifel, weil ich mich frage, wie meine Zukunft einmal aussehen wird - ob sie von Sicherheit geprägt ist oder von genau den Sorgen, die ich heute schon wahrnehme. Ich sehe, wie weltweite Krisen das Leben vieler Menschen erschweren. Und gerade deshalb frage ich mich, wo in all dem trotzdem noch Hoffnung zu finden ist. Ich kann nicht die ganze Welt verändern. Aber vielleicht kann ich bereits in meinem Alltag nach Hoffnung suchen. Schon kleine Momente können viel bedeuten: Wenn mir jemand im Vorbeigehen zulächelt oder wenn mich Freunde und Familie unterstützen. Diese Momente sind oft unscheinbar - aber sie verändern, wie ich auf die Welt schaue. Vielleicht beginnt Hoffnung genau dort - nicht in großen Veränderungen, sondern in kleinen Gesten im Alltag. Und vielleicht liegt es an uns, diese Momente wahrzunehmen und weiterzugeben. Wenn wir im Kleinen anfangen, können daraus auch große Veränderungen entstehen - Veränderungen, die unsere Zukunft positiv prägen.
Teresa
Ich habe Angst.
ich habe Angst, dass den jüngeren Generationen die Mitbestimmung über ihre Zukunft verwehrt wird, dass Entscheidungen getroffen werden, die uns betreffen, ohne uns ernsthaft einzubeziehen.
Ich habe Angst, dass wir in eine hasserfüllte Welt abrutschen und die Spaltung der Gesellschaft größer wird, dass sich die Welt zurück, statt vorwärts bewegt.
Aber in einer Welt, die von so vielen Ängsten geprägt ist, sollte man die Hoffnung auch nicht verlieren.
Denn ich habe auch Hoffnung.
Ich habe Hoffnung in die Zukunft, in die neue Regierung, dass wir die Möglichkeit bekommen, die Zukunft mitzugestalten. Ich habe Hoffnung in eine multikulturelle Zukunft ohne Hass und Hetze, in der sich jeder wohlfühlt und so leben kann, wie er möchte.
Ich habe auch Hoffnung in die Kirche, dass sie uns ein Ankerpunkt ist, in einer Zeit ohne vermeintlichen Halt. Ein Rückzugsort, der sich nicht durch Ausgrenzung und innere Konflikte auszeichnet, sondern ein Ort sein kann, indem jeder willkommen ist und der Blick von Problemen auf eine hoffnungsvolle Zukunft hin gelenkt wird.
Deshalb wünsche ich mir, dass es einmal einen Tag gibt, an dem wir friedlich miteinander zusammenleben können, ohne auf unser Aussehen, unsere Herkunft oder unsere Religion reduziert zu werden und die Politik uns dabei unterstützt, anstatt solches Verhalten zu fördern. Ein Tag, an dem ich nicht weniger verdiene als meine männlichen Kollegen. Ein Tag, an dem man zum Bewerbungsgespräch vorgeladen wird, obwohl man ein Kopftuch trägt oder einen ausländischen Nachnamen hat. Ein Tag, an dem Extremismus nicht mehr „normal“ ist.
Paulina
Wenn ich die Nachrichten schaue, scheint es, als würden negative Neuigkeiten wie Kriege,
instabile Politik und Klimawandel überwiegen.
Doch vor allem für mich als jungen Menschen und Erstwähler ist es wichtig, den Blick für das Positive nicht zu verlieren, auch wenn ich mir oft die Frage stelle „Warum?“
- Warum leiden Menschen?
- Warum ist der Klimawandel mit den heutigen Möglichkeiten nicht einzudämmen?
- Und warum scheint die Politik mittellos, wenn sie doch eigentlich das Rückgrat der
Gesellschaft sein sollte? - Wie ein Anker, der Stabilität verspricht und in bewegten Zeiten immer
wieder neu Halt finden muss?
Mein Glaube hilft mir dabei die Hoffnung in diesen scheinbar aussichtslosen Fragen nach dem
„Warum“ nicht zu verlieren.
Auf meine Fragen finde ich zwar keine Antwort, aber der Dialog mit Gott lässt mich Mut schöpfen.
- Mut, dem Leid in der Welt in die Augen zu schauen,
- Mut, daran nicht zu verzweifeln,
- Mut, selbst Initiative zu ergreifen, mich zu engagieren und Hilfe anzubieten,
- und auch Ihnen, den Politikern des neuen Landtags wünsche ich Mut, auch für schwierige
Entscheidungen. Entscheidungen, die nicht nur kurzfristig wirken, sondern meiner Generation
eine echte Zukunft geben.
Mir ist wichtig, Ihnen allen bewusst zu machen, dass Hoffnung kein passives Gefühl ist, sondern
eine bewusste Entscheidung, Möglichkeiten zu erkennen und die Zukunft aktiv zu gestalten.
Fiona
Die Zukunft wirkt auf mich oft sehr beängstigend: Sie ist ungewiss und in den Nachrichten sehe ich oft nur Bilder von zerstörten Städten, überlasteten Krankenhäusern, Hass oder Überschwemmungen. Wie kann man da noch hoffnungsvoll in die Zukunft blicken? Oder kann es überhaupt Hoffnung geben? Ich würde sagen: Ja! Für mich ist Jesus die Hoffnung, weil er alles zum Guten wenden kann. Und mit dieser Hoffnung ist die Zukunft plötzlich gar nicht mehr so erdrückend. Aber er trägt mir und uns allen auch auf, selbst Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft mitzugestalten; sei es in der eigenen Familie, in unserem ehrenamtlichen Engagement oder wie in Ihrem Fall durch politische Entscheidungen. Dafür zeigt Jesus uns, wie wir handeln sollen und was Nächstenliebe bedeutet. Ich wünsche mir, dass Sie diese Nächstenliebe annehmen und dass diese die Grundlage für Ihr Handeln ist. Jedoch sind wir alle nur Menschen, die nicht immer perfekt sind. Auch Sie in der Politik dürfen Fehler machen. Aber lassen Sie sich von Fehlern nicht aufhalten, sondern blicken Sie weiter nach vorne. Für mich ist es nämlich wichtig zu wissen, dass wir Gott immer um Hilfe fragen dürfen, wenn wir merken, dass wir alleine nicht weiterkommen. Zukunft und Hoffnung lassen sich für mich also doch vereinen: Im Vertrauen auf Gott.