Im Bereich „GFS“ wurde der AMG-Schüler Mathis Menrath für seine Darlegungen über „Klezmer und Klezmorim“ mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Besonders hervorzuheben sei laut Moderatorin das „eigene vitale Interesse an der Musik sowie die eigene Praxis“.

Swing-Klänge der Schul-Bigband eröffneten den Abend. Der Schulleiter, Oberstudiendirektor Wolfgang Medinger, verknüpfte in seiner Begrüßung den von Jenny Heymann begründeten Englandaustausch mit der aktuellen Situation, dem spürbaren Rückgang des Deutschunterrichts an der Londoner Partnerschule und den gerade wieder laufenden Brexit-Abstimmungen im britischen Parlament. Er erinnerte auch an seine Vorgängerin, Dr. Elisabeth Kranz, Heymanns Freundin, und den Zufallsfund von Schuldokumenten aus dieser Epoche, die erst noch ausgewertet würden. Der katholische Vorsitzende der GCJZ Stuttgart, Dr. Alfred Hagemann, erinnerte an die bundesweite „Woche der Brüderlichkeit“ die 2019 unter dem Motto „Mensch, wo bist Du? Gemeinsam gegen Judenfeindschaft“ steht. „Wie aber können Verstöße gegen die Menschenwürde, wie können falsche Informationen und schiefe Argumentationen vermieden werden? Welche Merkmale sollte unser Zusammenleben auf dem Boden des Grundgesetzes aufweisen?“ fragte Hagemann. Eine Antwort darauf könne der Jenny-Heymann-Preis der GCJZ sein, der zu einem sachgerechten, methodisch reflektierten und innovativen Umgang mit den Themen Judentum, Israel und Erinnerung einlade. Der besondere Veranstaltungsort wurde außerdem zum Thema: „Das Goethe-Gymnasium ist mit den Höhen und Tiefen der Biographie Jenny Heymanns verbunden, es steht aber vor allem für erfüllte Jahre, eine beeindruckende Lehrerin und den Blick über die eigenen Landesgrenzen hinaus. Ich freue mich besonders, dass heute auch ehemalige Schülerinnen Jenny Heymanns anwesend sind“, so Hagemann. Nikolas Lang, der stellvertretende katholische Vorsitzende der GCJZ und Laura Lukec, Preisträgerin des Jahres 2018, moderierten die Feierstunde in der vollbesetzten Aula.

 

Den ersten Preis im Bereich „Seminarkurs“ erhielt Hannah Stempka (Eppingen). In ihrer Seminararbeit verknüpft sie die Visionen Theodor Herzls für einen Judenstaat mit der Realität. In ihrer intensiven Auseinandersetzung mit der Person Theodor Herzls , dabei arbeitet sie auf beeindruckende Art und Weise einen Vergleich aus, der dem Leser einen weiten Überblick über die Thematik bietet. Die vielschichtigen Ansätze durch die Stempka das Thema präsentiert sowie aktuelle Bezüge und eine persönliche Stellungnahme hätten die Jury von dieser exzellenten Arbeit überzeugt, betonte Lukec. Für eine Arbeit über die „Combatants for Peace“ wurde Amelie Brennfleck (Heidelberg) ausgezeichnet. Hervorzuheben waren hier die „eigenständigen Zugänge zur Thematik und die Fähigkeit zu wissenschaftlichem Arbeiten“. Der umfangreich ausfallende Anhang gebe weitere Impulse aus anderen Blickwinkeln zur Thematik. Wie Lukec verdeutlichte, fielen auch die sprachliche Dynamik und deutliche Positionierungen, die den „Wunsch nach einem „wahren Frieden““ verdeutlichen, positiv auf. Den dritten Platz teilten sich Leon Sandner (ebenfalls aus Heidelberg), der seinen Kurzfilm „Don’t forget, show some respect! Diskriminierung von Juden gestern, heute ... und morgen?“  vorführte, und Michelle Emmert mit einer Untersuchung über die palästinensische Flüchtlingsfrage.

Dabei fiel der Jury vor allem „der sinnvoll strukturierte historische Kontext bezüglich der Beleuchtung der Flüchtlingsfrage“ auf. Die multiperspektivische Darstellung ebenso wie der Aspekt des wissenschaftlichen Arbeitens erschienen besonders lobenswert.

 

Im Bereich „GFS“ präsentierten Jana Krank, Benedikt Selbach und Marco Girg (Bad Mergentheim) als zweite Preisträger Ergebnisse ihres Schüler-Poetry-Slams „Erinnern und Vergessen“. Ihre „eindrucksvolle Einleitung durch ausdrucksstarke Slamtexte, die unter die Haut gehen,“ machen ihren Wettbewerbsbeitrag zu etwas ganz Besonderem Außerdem wurde Sarah Kaisers (Ellwangen) Beitrag zur Erinnerungskultur, zum „Hessentaler Todesmarsch“ gewürdigt. Die Stärken der Arbeit liegen aus Sicht der Jury „auf dem persönlichen Zugang und der didaktischen Reflexion, die sich in der persönlichen Planung einer Führung und den methodischen Überlegungen der Arbeit widerspiegeln.“

 

Im Anschluss an die Präsentationen, Rezitationen und musikalischen Einlagen lud die GCJZ zum Empfang ein. Zwischenbilanz 2019: Der Jenny-Heymann-Preis findet mittlerweile auch außerhalb Stuttgarts Zustimmung und Wettbewerbsteilnehmer, mehrere Projekte widmen sich auch der Erforschung der Biographie der Namensgeberin. Und wer über den zunehmenden Antisemitismus klagt, sollte die kompetenten Preisträger und die engagierte Arbeit ihrer Schulen kennenlernen.

Bis zum 15. Januar 2020 müssen die neuen Wettbewerbsarbeiten abgegeben werden. Gastgeber wird 2020 das St. Agnes-Gymnasium Stuttgart sein, an dem Jenny Heymann noch einige Jahre im Ruhestand wirkte.

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