, 28.02.2016

Beeindruckendes Zeitzeugengespräch am AMG

Zeitzeuge Selbiger im Gespräch mit den Schülern
Zeitzeuge des Holocaust Horst Selbiger war im Albertus-Magnus-Gymnasium zu Gast.

 

Horst Selbiger besuchte am  27. Januar, dem Gedenktag an die Befreiung von Auschwitz, für ein Gespräch mit Schülern der Oberstufe das AMG. Er war zum Gedenktag außerdem im baden-württembergischen Landtag, in der jüdischen Gemeinde und an einer weiteren Stuttgarter Schule.

Als Zeitzeuge des Nationalsozialismus erinnerte der 88jährige Selbiger die Schüler zunächst an die „Todesfabrik“ Auschwitz und den industriemäßigen Massenmord an den europäischen Juden. Auch sein Leben sollte dort enden, aber historische Zufälle, „Wunder“, wie Selbiger sie nennt, ließen ihn weiterleben. Horst Selbiger berichtete, dass sein Vater bereits 1933 seine Berliner Zahnarztpraxis aufgeben sollte, dann aber als Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs zunächst geschont wurde. Selbiger wurde 1934 eingeschult, aber bald – als einziger Jude in der Klasse – „gemobbt“, wie man heute sagen würde. Schließlich erfolgte ein Schulwechsel in eine rein jüdische Schule, dann die Verpflichtung zur Zwangsarbeit. Familie Selbiger musste nach der Reichspogromnacht ihre geräumige Wohnung unter Wert versteigern und in eines der sogenannten „Judenhäuser“ ziehen. 1943 begannen Vorbereitungen für den Abtransport nach Auschwitz, aber der Berliner Aufstand vor dem Polizeigebäude in der Brunnenstraße veranlasste die NS-Machthaber, die Familienangehörigen aus jüdisch-christlichen Familien in Berlin zu belassen. Als „Wunder“ bezeichnet Horst Selbiger diesen Wendepunkt in seiner Biographie.

Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern skizzierte Selbiger noch seinen weiteren Lebensweg: Ohne Schulausbildung und mit dem Traum, einmal Journalist zu werden, lebte er nach 1945 im Berliner Osten und konnte dann in der neu gegründeten DDR Karriere machen. Politische Zerwürfnisse in der Ära Walter Ulbrichts beendeten aber diesen Weg, Selbiger erinnerte zum Schluss mit einem Gedicht einer Theresienstadt-Überlebenden an die Verantwortung eines jeden und die „Schuld der Schuldlosen“, die immer dann beginne, wenn man sage, man könne nichts mehr tun.

Horst Selbiger ist Ehrenpräsident der CSD, einer Vereinigung für Menschen, die als Kind den Nationalsozialismus überlebt haben. Nähere Informationen bietet die Website www.child-survivors-deutschland.de. Das Albertus-Magnus-Gymnasium sieht sich durch die Ausbildung von Schülerguides, der Pflege des ehemaligen Synagogenplatzes in Cannstatt und Wettbewerbsarbeiten für den Jenny-Heymann-Preis weiterhin mit der Thematik verbunden.

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