Schüler des AMG gestalten die Station Freiheit auf dem Besinnungsweg Bittenfeld

 

Die Wahrnehmung des von Schülern des AMG errichteten Bad-Cannstatter Mahnmals in der Öffentlichkeit hatte eine weitere Anfrage zur Folge. Die Gemeinde Bittenfeld trat Anfang Januar 2007 an das AMG heran, mit dem Wunsch  einen Besinnungsweg mitzugestalten. Der Besinnungsweg Bittenfeld ist ein Rundweg mit 12 Themenstationen und bietet den Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit der Besinnung und Erholung in ihrem unmittelbaren Umfeld. Der Weg führt durch die Landschaft zwischen Bittenfeld und Siegelhausen. In diesem Zusammenhang wurde das AMG aufgefordert die Themenstation Freiheit zu gestalten.

Die Fachschaft Bildende Kunst und die Schulleitung beschlossen für dieses Projekt einen schulinternen Kunstwettbewerb für die Klassen 10 und 11 auszuschreiben. Insgesamt 20 Schüler und Schülerinnen, die sich aus sechs Gruppen zusammensetzten, nahmen am Wettbewerb teil.

Auf Einladung des Teams Besinnungsweg wurde mit den Schülergruppen eine Ortsbege-hung unternommen. Den Schülern wurden die verschiedenen Orte gezeigt, die sie in ihren Überlegungen für die Freiplastik einbeziehen konnten. Herr Jung vom Team Besinnungsweg erläuterte die geschichtlichen Besonderheiten der Region, bezogen auf den Aspekt der Freiheit, die vom römischen Limes über Friedrich Schiller bis in die Gegenwart des Gefängnisses auf dem Hohen Asperg reichte.

Mit den Vorstellungen vor Ort und den historischen Informationen hatten die Schüler-gruppen nun 2 Monate Zeit sich mit dem Thema Freiheit und mit der Gestaltung eines drei-dimensionalen Symbols zu befassen. In einer Wettbewerbsaufgabe wurden von den Schülern  konkrete Leistungen eingefordert. Entwürfe und technische Zeichnungen sollten die Form und die Größe der Plastik verdeutlichen. Ein Erläuterungsbericht sollte die Konzeption und den Inhalt beschreiben.

Von den eingereichten Ideen gingen die Schüler Lukas Kurz, Lukas Lambrecht, Jan Schulze und Jonathan Weber als Siegergruppe hervor. Die einfache Form der gestalteten Figuren-gruppe sowie die Einbeziehung der Besucher, die in spielerischer Weise Erfahrungen mit Freiheit und Unfreiheit machen können, überzeugten die schulinterne Kunstkommission am meisten.

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Die Siegergruppe schreibt dazu:

FREIHEIT

 

"Wenn du nicht bereit bist, dafür zu sterben, dann streiche das Wort »Freiheit« aus deinem Vokabular." [Malcolm X, Chicago Defender, 28. November 1962]

 

Als wir, Jonathan Weber, Lukas Lambrecht, Jan Schulze und Lukas Kurz, Schüler der Klasse 11b, von der Ausschreibung für die Gestaltung einer Station zum Thema „Freiheit“ auf dem Bittenfelder Besinnungsweg Anfang 2007 hörten, konnten wir uns unter der Verwirklichung des Begriffs Freiheit noch nichts Konkretes vorstellen. Daraufhin entschlossen wir uns, uns näher mit diesem Thema auseinanderzusetzen und an der ersten Begehung des Besinnungs-weges im Frühjahr 2007 teilzunehmen. Freiheit ist, so scheint es zumindest, in der heutigen Zeit ein Begriff, der fast schon alltäglich, möglicherweise sogar abgenutzt, wirkt. Bedenkt man jedoch einmal was Freiheit bedeutet, erkennt man, dass Sie etwas Elementares für den Menschen ist.

 

"Das Menschengeschlecht befindet sich im besten Zustande, wenn es möglichst frei ist." [Dante Alighieri (1265-1321), ital. Dichter und Philosoph)

 

Uns faszinierte der Begriff Freiheit vor allem dadurch, dass er sich nicht auf einen bestimmten Bereich unseres Lebens beschränkt, sondern unser ganzes Sein erfasst und beeinflusst. Dadurch wird es aber auch sehr schwer, dieser „Freiheit“ eine bestimmte Form zu geben oder sie durch etwas Spezielles darzustellen, da sich Freiheit immer ungemein vielfältig ausdrückt und man sie nicht direkt mit einem konkreten Symbol in Verbindung bringen kann. Deshalb entschieden wir uns nach langem Überlegen für diese doch sehr einfachen und schlichten Formen, die wie die Freiheit nicht pompös oder aufdringlich wirken sollen.

 

"Zu sagen: »Hier herrscht Freiheit« ist immer ein Irrtum oder auch eine Lüge, denn Freiheit herrscht nicht." [Erich Fried (1921-1988), österr. Lyriker]

 

Die Entscheidung für diese simplen Figuren aus Holz fiel auch aufgrund des Gedanken, dass jeder Mensch eine eigene Definition von Freiheit besitzt und diese mit seinen eigenen Gedanken erleben soll. Es war aber doch eine große Überraschung für uns, als wir von unserem Kunstlehrer Herrn Lutzeyer erfuhren dass wir die Ausschreibung gewonnen hatten. Da die Konkurrenz im eigenen Haus sehr groß war, rechneten wir nicht mit dem Erfolg. Neben den Figuren besitzt unser „Kunstwerk“ noch zwei weitere Aspekte. Zum einem wären da die unterschiedlichen Gedanken und Zitate zum Thema „Freiheit“, die auf den Figuren angebracht sind. Politiker, Philosophen, Schriftsteller, Künstler und andere berühmte Persönlichkeiten werden in bzw. auf unserem Projekt zitiert. Diese Aussagen sollen zum Nachdenken anregen, provozieren, polarisieren oder auch auf Einverständnis treffen, je nach dem wer sie liest. Den zweiten Aspekt stellen, die in den Figuren integrierten, Ferngläser dar. Durch sie werden die unterschiedlichen Facetten der Freiheit in einer anderen Form verdeutlicht. Sie sollen dem Betrachter durch sein eigenes aktives Handeln zeigen, dass die Freiheit durchaus auch einmal überraschend anders oder auch eingeschränkt sein kann; dass man nicht dass erhält was man erwartet, bzw. nicht das sieht was man erwartet.

 

“Die Freiheit der Meinung setzt voraus, dass man eine hat.“ [Heinrich Heine (1797-1856)]

 

Abschließend kann man sagen, dass dieses Projekt, das uns gut ein Jahr begleitete und an organisatorischem Aufwand, das was man als Schüler gewohnt ist, doch weit übertraf, uns viele neue Erfahrungen und interessante Einblicke gebracht hat.

 

Jonathan Weber, Lukas Lambrecht, Jan Schulze, Lukas Kurz

 

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Mit dem Team Besinnungsweg, dem Kunsterzieher  Herrn Lutzeyer, der das Schülerprojekt begleitet, sowie der Siegergruppe wurde nun an der genaueren Planung und  der Umsetzung der Station Freiheit gearbeitet. Am 3. November 2007 wurde der Besinnungsweg Bittenfeld eröffnet. Die Schülergruppe des AMG`s bekam während des Festakts die Möglichkeit die Station Freiheit vorzustellen, denn durch die Komplexität der Plastik konnte die Station noch nicht errichtet werden. Anhand verschiedener dreidimensionaler Modelle und einer Power-Point-Präsentation wurden die Idee und das Konzept der Station verdeutlicht.

Im Sommer 2010 schließlich konnte die Station Freiheit von der Schülergruppe unter Mithilfe der Gemeinde Bittenfeld endlich errichtet und der Besinnungsweg dadurch komplettiert werden.

 

Matthias Lutzeyer

 

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